In drei spannenden Panels wurden Themen beleuchtet wie die Polypharmazie im Alter, die Arzneimittelversorgung im Altenheim und die Besonderheiten bei dem Einsatz von Arzneimitteln im Alter.
Dr. Friedemann Ernst vom KCG gab im ersten Panel grundlegende Einblicke in die Prävalenz der Polypharmazie, Ursachen, pharmakologische Überlegungen und betonte individualisierte Ansätze. Dr. Frank Hofschulte, ebenfalls vom KCG, hob die kritischen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Non-Adhärenz bei Medikamenten hervor und plädierte für patientenzentrierte, multidimensionale Adhärenzstrategien. PD Dr. Farhad Pazan präsentierte Klassifikationssysteme zur Optimierung der geriatrischen Pharmakotherapie.
Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst Bund skizzierte im zweiten Panel den regulatorischen Rahmen für die Qualitätssicherung im Medikationsmanagement in Pflegeheimen, beschrieb Bewertungskriterien und den beratenden Ansatz zur Verbesserung der Pflegequalität trotz systemischer Herausforderungen. Christine Newin vom AWO-Landesverband Bayern teilte praktische Erfahrungen aus zahlreichen Pflegeeinrichtungen und betonte die kritische Schnittstelle zwischen medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen, Herausforderungen im Management von Medikationsplänen, Kommunikationslücken und die Auswirkungen von Personal- und finanziellen Einschränkungen.
Dominique Labouvie als Leiter der SEG 2 mit Schwerpunkt Qualitätsprüfungen erläuterte die rechtlichen Verantwortlichkeiten der verschreibenden Ärzte und des Pflegepersonals, häufige festgestellte Mängel in der Prüfung und die Bedeutung beruflicher Qualifikationen und Haftungsbewusstsein unter dem Pflegepersonal.
Durch den Moderator des dritten Panels Dr. Andreas Rhode, Leiter der SEG 6, wurde in das Thema der Medikamentenversorgung bei älteren Patienten eingeführt. Er hob die Herausforderungen im Zusammenhang mit klinischen Studienpopulationen und regulatorischen Genehmigungen hervor. Dr. Clemens Mittmann vom BfArM gab eine umfassende regulatorische Perspektive, betonte die wachsende ältere Bevölkerung, die Unterrepräsentation sehr alter Patienten in klinischen Studien und die Bedeutung altersgerechter Arzneimittelformulierungen sowie die laufende Datensammlung nach der Genehmigung. Dr. Petra Nies vom GBA diskutierte, wie Alters- und biologische Faktoren in die Nutzenbewertung von Arzneimitteln einfließen, und präsentierte Beispiele für altersbezogene Effektmodifikationen sowie laufende Bemühungen zur Operationalisierung des biologischen Alters in Bewertungen. Beide hoben die Komplexität der Integration von Altersüberlegungen in regulatorische und Erstattungsrahmen hervor und unterstrichen die Notwendigkeit fortlaufender Forschung und methodologischer Entwicklung.
Dr. Nina Mahnecke vom Medizinischen Dienst Nordrhein erläuterte den sozialmedizinischen Bewertungsprozess und unterstrich die strengen gesetzlichen Anforderungen. Sie veranschaulichte die Herausforderungen, die sich aus dem Mangel an altersspezifischen klinischen Daten für sehr alte Patienten ergeben, und präsentierte Fallbeispiele, die die Schwierigkeit verdeutlichen, eine Kostenübernahme ohne robuste Evidenz zu rechtfertigen.
Den emotionalen Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Dr. Rhode, der nach über fünf Jahren in der SEG 6-Leitung den Medizinischen Dienst Westfalen-Lippe aus eigenem Wunsch verlässt und als Chefarzt einer Rehabilitationsklinik in die Versorgung zurückkehrt. Dr. Rhode: „Auch wenn ich mich auf meine neue Tätigkeit freue, gehe ich mit zwei weinenden Augen. Ich durfte mit tollen Menschen zusammenarbeiten, die sich sehr für eine sachgerechte, fundierte und einheitliche Bewertung von Anträgen in der Arzneimittelversorgung einsetzten. Dafür kann ich mich nur bedanken!“