Qualitätsprüfungen: Wichtig für Pflegeeinrichtungen und Versicherte

Die Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen rücken seit Ende 2019 mit einem neuen Prüfverfahren die Versorgungsqualität der Bewohnerinnen und Bewohner stärker in den Mittelpunkt. Das neue Verfahren wird auch mehr Transparenz bei den Qualitätsunterschieden der Einrichtungen schaffen.

Informationen zur Qualitätsprüfung während der Corona-Pandemie

Die Bundesregierung und die Landesregierungen haben am 3. März die stufenweise Öffnung der Pandemie bedingten Lockdown-Maßnahmen beschlossen. Vor diesem Hintergrund werden die Medizinischen Dienste im März 2021 die Qualitätsregelprüfungen in der ambulanten und stationären Pflege behutsam wieder aufnehmen. Darauf haben sich der GKV-Spitzenverband und die Medizinischen Dienste in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Verband der Privaten Krankenversicherung verständigt.

Die Aufnahme der Qualitätsprüfungen erfolgt unter Berücksichtigung des Impfstatus der Pflegebedürftigen und des regionalen Pandemiegeschehens. Bei den Regelprüfungen wird der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe auf die konsequente Einhaltung der Hygieneregeln achten und regelmäßige Testungen der Qualitätsprüferinnen und -prüfer vornehmen.

Anlassprüfungen können und sollen im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen weiterhin und bei bekanntwerdenden Defiziten durchgeführt werden. Die Gutachterinnen und -Gutachter des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe halten sich dabei zum Schutz von Versicherten, Personal sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern streng an die Hygienevorgaben der Einrichtung sowie an das Hygienekonzept des Medizinischen Dienstes. Hier finden Sie unser Hygienekonzept zum Herunterladen (hier klicken).

Bitte beachten Sie unsere aktuellen Checklisten zur Vorbereitung der Regelprüfung:

ambulante Pflege stationäre Pflege

Eine Neuerung erfolgt in Bezug auf die Prüfankündigung: Ab dem 01.10.2020 werden die Prüfungsankündigungen nur noch per E-Mail versandt und nicht mehr per Fax wie bislang. 

Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie eine spezielle E-Mail Adresse für die Prüfankündigung in unserem Planungsbüro für Qualitätsprüfungen hinterlegen lassen möchten. Schreiben Sie an qp-pflege@mdk-wl.de

Die Umstellung auf Ankündigung einer Qualitätsprüfung per E-Mail entspricht dem rechtsaufsichtlichen Hinweis des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Dieses Verfahren gewährleistet auch, dass die Ankündigungen an Sonn- und Feiertagen rechtszeitig gelesen und in der Folge die personellen Voraussetzungen für die Prüfungen sichergestellt werden können. 

Fragen zur Qualitätsprüfung in Corona-Zeiten

Bis zum 28. Februar 2021 finden keine Regel- und Wiederholungsprüfungen in den ambulanten Pflegediensten sowie teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen statt. Anlassprüfungen aufgrund von Beschwerden sind jederzeit möglich und werden bei bekanntwerdenden Defiziten verstärkt durchgeführt. Dabei gelten besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die von den Medizinischen Diensten entsprechend des Hygienekonzeptes der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste umgesetzt werden. Dazu gehört unter Berücksichtigung der Situation vor Ort auch die Testung der Prüferinnen und Prüfer. Es ist geplant, die Qualitätsprüfungen so bald als möglich wieder aufzunehmen.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist die Frist für die erstmalige Indikatorenerhebung vom Gesetzgeber zunächst um ein halbes Jahr verschoben worden. Anstatt bis zum 1. Juli 2020 hatten die Pflegeheime demnach bis zum 31. Dezember 2020 Zeit, um ihre Daten erstmals zu erheben und an die Datenauswertungsstelle zu übermitteln. Aufgrund der weiter fortbestehenden Corona-Pandemie hat das Bundesministerium für Gesundheit nun eine Rechtsverordnung erlassen. Nach dieser Rechtsverordnung besteht für zugelassene vollstationäre Pflegeeinrichtungen, deren Stichtag im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2021 und dem 31. März 2021 liegt, keine Pflicht, indikatorenbezogene Daten zur vergleichenden Messung und Darstellung von Ergebnisqualität im vollstationären Bereich zu erheben und an die Datenauswertungsstelle nach § 113 Absatz 1b SGB XI zu übermitteln. Indikatorenbezogene Daten, die in diesem Zeitraum dennoch an die Datenauswertungsstelle übermittelt werden, werden nicht veröffentlicht.

Allgemeine Fragen und Informationen zur Qualitätsprüfung

Die Qualitätsprüferinnen und -prüfer der Medizinischen Dienste sind Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikation und umfassendem Fachwissen. Bei der Qualitätsprüfung beraten sie die Einrichtungen, mit welchen konkreten Maßnahmen die Pflegequalität weiterentwickelt werden kann.

Zur Qualitätsprüfung kommen zwei bis drei Qualitätsprüferinnen und -prüfer des Medizinischen Dienstes in die Pflegeeinrichtung. Der Medizinische Dienst kündigt sich am Vortag an, damit sich die Einrichtung vorbereiten kann.

Die Qualitätsprüfungen dauern in der Regel ein bis zwei Tage. Die Prüferinnen und Prüfer des Medizinischen Dienstes untersuchen in einer Stichprobe bei neun Bewohnerinnen und Bewohner die individuelle Versorgungssituation. Nach sorgfältiger Analyse der Prüfergebnisse tauscht sich der Medizinische Dienst mit den Pflegemitarbeiterinnen und -mitarbeitern aus und gibt ggf. Hinweise zur Qualitätsverbesserung.

Die wichtigste Frage ist: Wie gut werden pflegebedürftige Menschen in der Einrichtung versorgt? Dabei betrachtet der Medizinische Dienst mehrere Qualitätsbereiche:

  1. Wie werden die Bewohnerinnen und Bewohner von der Einrichtung dabei unterstützt, mobil und selbstständig zu bleiben?
  2. Wie werden die Bewohnerinnen und Bewohner von der Einrichtung unterstützt, mit besonderen Belastungen durch Krankheiten umzugehen, zum Beispiel beim Schmerzmanagement?
  3. Wie unterstützt die Einrichtung die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Gestaltung des Alltagslebens und der Pflege sozialer Kontakte?
  4. Wie geht die Einrichtung mit besonderen Bedarfs- und Versorgungssituationen um – zum Beispiel bei der Eingewöhnung oder bei herausforderndem Verhalten?

Die Qualitätsprüfung bei ambulanten Diensten wird zu einem späteren Zeitpunkt auf das neue Qualitätssystem umgestellt. Derzeit überprüft der Medizinische Dienst dort im Wesentlichen die pflegerischen und  ärztlich verordneten pflegerischen Leistungen und die Organisation. Zudem findet eine Befragung der Pflegebedürftigen statt.

Der Medizinische Dienst prüft seit 2016 außerdem die Abrechnungen der ambulanten Pflegedienste.

Die Ergebnisse stellt der Medizinische Dienst in einem Prüfbericht zusammen, der an die geprüfte Pflegeeinrichtung und die Landesverbände der Pflegekassen geht.

Stellen die Qualitätsprüfer Mängel fest, so schlagen sie Verbesserungsmaßnahmen vor. Die Landesverbände können dann Wiederholungsprüfungen veranlassen, in denen geprüft wird, ob das Heim oder der Dienst die Maßnahmen innerhalb einer Frist umgesetzt hat.

Werden Mängel nicht beseitigt, können die Landesverbände der Pflegekassen die Vergütung kürzen oder die Pflegedienstleitung zu Fortbildungsmaßnahmen verpflichten. In schwerwiegenden Fällen kann eine Pflegeeinrichtung ihre Zulassung verlieren, das heißt der Versorgungsvertrag zwischen dem Landesverband der Pflegekasse und der Einrichtung wird gekündigt. Dies kann die Schließung zur Folge haben.

Bisher wird die Pflegequalität in Noten abgebildet. Die neue Qualitätsdarstellung löst diese ab.

Seit November 2019 wird die Qualitätsdarstellung schrittweise auf drei Säulen gestellt:

  1. Zum einen erfassen die Einrichtungen halbjährlich bestimmte Informationen – Indikatorendaten – bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, zum Beispiel die Anzahl der Stürze im Heim. Diese Indikatorendaten werden an eine unabhängige Auswertungsstelle geschickt.
  2. Die zweite Säule ist die Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst. 
  3. Die dritte Säule sind allgemeine Auskünfte zur Einrichtung, also zum Beispiel zur Größe und Ausstattung sowie zur Lage und Erreichbarkeit.

Durch die drei Säulen und die neue Aufteilung der Qualitätsdarstellung wird ein besserer Einblick in die Qualität der Pflege gegeben.

Der Transparenzbericht bzw. die Pflegenoten werden von den Landesverbänden der Pflegekassen online veröffentlicht. Seit November 2019 wird die Qualität vollstationärer Pflegeeinrichtungen mit Hilfe eines neuen Systems abgebildet und kann dann ebenfalls auf den Webportalen der Pflegekassen abgerufen werden. Sie können dort direkt nach bestimmten Einrichtungen suchen:

Die geprüfte Einrichtung muss die Ergebnisse auch an geeigneter Stelle aushängen.

Pflegequalität hat viel mit dem Wohlbehagen der Pflegebedürftigen zu tun, die sich den Pflegenden anvertrauen. Deswegen ist ein persönlicher Eindruck hilfreich, um einschätzen zu können, ob ein Pflegedienst oder ein Pflegeheim in Frage kommen. Nutzen Sie Tage der Offenen Tür und überlegen Sie sich Fragen, die Sie bei dieser Gelegenheit stellen können. Sprechen Sie mit dem Heimbeirat und hören Sie sich auch im Freundes- und Bekanntenkreis um. Sie können auch bei Pflegeberatungsstellen nachfragen und die Online-Informationsangebote der Pflegekassen nutzen.

Klären Sie mit einem potentiell in Frage kommenden Pflegedienst oder Pflegeheim, welche Pflege Sie oder die pflegedürftige Person brauchen. Die Versorgung sollte individuell auf den pflegebedürftigen Menschen zugeschnitten sein. Die Pflegeeinrichtung sollte sicherstellen, dass in der Regel die gleichen Pflegekräfte die Pflege übernehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten nicht zu häufig wechseln und gut qualifiziert sein. Die Pflegekassen informieren im Internet, wie die Pflegeeinrichtung bei der letzten Qualitätsprüfung des Medizinischen Dienstes abgeschnitten hat.

Sollten Ihnen Mängel in der Pflege auffallen, versuchen Sie diese zuerst mit dem Pflegedienst oder dem Pflegeheim zu klären. Wenden Sie sich besonders bei kleineren Auffälligkeiten zuallererst direkt an die Pflegenden. Wird Ihrem Anliegen nicht nachgegangen, beziehen Sie die Pflegedienstleitung mit ein. Sollte sich die Situation nicht verbessern, kontaktieren Sie die Heimaufsicht, Ihre Pflegekasse oder den Medizinischen Dienst. Die Pflegekasse kann dann Auflagen erteilen, eine Wiederholungsprüfung durch den Medizinischen Dienst veranlassen, die Vergütung mindern oder sogar den Versorgungsvertrag kündigen.